Einmal reihum gebetet, der leitende Moderator (sofern überhaupt anwesend) bedankt sich bei allen Teilnehmern und wünscht noch einen erfolgreichen Arbeitstag, danke und auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal. Alle verkrümeln sich wieder hinter ihrem PC, schließen die imaginäre Box zu in der sie sitzen und tüfteln an Software-Features für das Unternehmen die alles zum Guten wenden sollen.

Nachdem wir irgendwann dann festgestellt hatten, dass die so praktizierte Form zwar den drei Fragenstellungen entspricht, die SCRUM mit in das Daily gibt, dabei aber leider auch den Effekt hatte, dass eigentlich alle nur auf ihre individuelle Arbeiten fokussierte Informationen ablieferten, stellten wir uns mal im Kreis gegenseitig die Frage ob das Gegenüber eigentlich wirklich mitbekommen hat was der letzte Redner alles gesagt hat. Das Resultat war vorhersehbar:  Kaum einer hat dem anderen zugehört, weil Mensch im Grunde die meiste Zeit damit beschäftigt war seine Formulierungen vorzubereiten oder – wenn selbst schon an der Reihe gewesen – bereits erste Tätigkeiten für den Tag im Kopf zu planen.

Wichtige Aspekte wie das gegenseitige Zuhören (Wissenstransfer) und Absprechen evtl. notwendiger gegenseitiger Unterstützung (Hindernisse beseitigen) entfielen, wodurch auf der gesamten Länge des Sprints häufiger auch das eigentlich Sprintziel aus dem Fokus geriet. Das Resultat war dann letzten Endes häufig der Überlauf von Tickets und man wunderte sich doch wie das nur wieder passieren konnte.

Wir haben uns nach dieser unbefriedigenden Erkenntnis auf den Weg gemacht eine Lösung zu finden und sind dabei auf die „walk the board“ Methode gestoßen. Die überwiegenden Vorteile bilden sich in der Tatsache ab, dass das gesamte SCRUM Board von links nach rechts abgelaufen wird. Alle Augen sind dabei darauf gerichtet und die Sprecher wechseln sich stetig ab, so entsteht ein deutlicher Bezug zum Status und der Progression. Die Dynamik verleiht dem Meeting einen gewissen Schwung und beugt der Möglichkeit vor, dass Teilnehmer mental „einnicken“ können.

Angereichert haben wir dies mit Kommunikationsregeln, die festlegen, dass im „walk“ keine ausschweifenden Erläuterungen zu den Details der Umsetzung oder gar eingestreute Diskussionen eingesetzt werden um den Fokus nicht zu verlieren und die Länge des Meetings einhalten zu können. Im Gegensatz zur vorherigen Arbeitsweise wird das Daily nun nicht mehr regelmäßig überzogen und eine zusätzlich verabredete  Zeitspanne nach dem Daily steht den Entwicklern zur Verfügung um mit den Fachspezialisten die vorliegenden Hindernisse zu besprechen um die Arbeiten fortführen zu können.

Fortschritt und Probleme werden durch die fokussierte Kommunikation besser sichtbar. Die Qualität nahm bereits mit der ersten Sitzung spürbar zu und wurde von allen Teilnehmern gleichermaßen positiv wahrgenommen. Das Ziel in diesem Meeting auch frühzeitig zu erkennen ob ein Sprintziel auch innerhalb des Zyklus erreicht werden kann, rückte mehr in den Mittelpunkt. Insgesamt also ein Schritt in die richtige Richtung, und das durch eine eigentlich winzige Umstellung im Framework.

Die Kunst ist natürlich wie immer dieses Artefakt dauerhaft mit Lebendigkeit zu füllen und das Niveau hoch zu halten. Dazu müssen alle Teilnehmer bereit sein, die Artefakte des SCRUM Framework nicht als lästiges Beiwerk zu sehen, sondern als Hilfsmittel zu erkennen das – wenn richtig angewendet – die Chance bietet Agilität zu praktizieren ohne auf strukturiertes Arbeiten zu verzichten.

Marvin Biebrach

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